Eingericht 1

Eingericht, 2012
Gänseei, Holz, Papier
12 x 6 x 5 cm
Inv. Nr. 001469

Im Rahmen der Heiligenverehrung wurden Eingerichte ursprünglich in Klöstern angefertigt. Meist in Kastenrahmen eingearbeitet sind sie noch heute wichtiger Bestandteil der religiösen Volkskunst in Bayern. Der Künstler Stefan Bitterwolf aus Laupertshausen schuf ein Eingericht in Eiform, passend zur Osterzeit. Das Ei ist rot bemalt. Die Öffnung ziert ein Goldband. Getragen wird das Ei von einem gedrechselten Holzfuß mit zwei umlaufenden Kerbungen. Der Boden ist hoch gewölbt. In das Gänseei ist in feiner Miniaturarbeit ein Arma-Christi-Kreuz eingesetzt. Das Kreuz und die Passionswerkzeuge, die die Leiden Christi symbolisieren, bestehen aus gedrechselten und geschnitzten Holzelementen sowie teilweise auch aus Papierarbeiten.

Bekrönt ist das Arma-Christi-Kreuz mit dem Hahn, der an die Verleugnung Christi durch Petrus erinnert (Mk. 14,66-72). Darunter ist der aus Papier gearbeitete Kreuztitel mit der Aufschrift INRI zu sehen, eine Abkürzung für lateinisch Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum („Jesus von Nazareth, König der Juden“). Unterhalb des INRI-Schildes überkreuzen sich Hammer und Schwert. Ersterer wurde zum Einschlagen der Kreuznägel genutzt. Mit dem Schwert hieb der Jünger Simon Petrus, bei der Gefangennahme Jesu im Garten Gethsemane, Malchus das rechte Ohr ab. Darunter sind drei Würfel dargestellt. Sie stehen symbolisch für die Spielwürfel mit denen die römischen Soldaten nach der Kreuzigung um die Kleider Jesu losten. Flankiert werden die Würfel von der Peitsche und dem Spottzepter. Rechts und links außen sind die Lanze und der Stab mit Schwamm angebracht. Die Lanze dient zur Erinnerung an die Lanzenstichwunde. So stieß der Soldat Longinus den bereits verstorbenen Jesus mit einer Lanze in die Seite und hinterließ eine Wunde aus der das Blut Jesu floss. Der Stab bzw. Ysopzweig mit dem Schwamm ist eine Anspielung auf die Szene, in der dem durstigen Jesus ein Essigschwamm gereicht wird. Unterhalb der Würfel hängt das aus Papier geschnittene Leichenhemd. Am Fuße des Kreuzes erinnert ein Kelch an das letzte Abendmahl.

Die Nägel an den Querbalken auf der Rückseite des Kreuzes stehen für die Nägel mit denen Jesus an das Kreuz geschlagen wurde. Eine Laterne erinnert an die Gefangennahme. Quer nach unten verläuft eine Leiter, welche die Kreuzabnahme repräsentiert. Oberhalb des Längsbalkens ist die Dornenkrone angebracht. Sie symbolisiert den Dornenkranz, der Jesus zum Spott aufgesetzt wurde. Das Schweißtuch der Veronika ist unterhalb der Leiter als Papierarbeit dargestellt. Laut christlicher Überlieferung wurde Jesus von Veronika während der Kreuztragung ein Tuch gereicht, um sich Schweiß und Blut aus dem Gesicht zu waschen. Die Passionssäule am Fuße des Kreuzes steht symbolisch für die Geißelung Christi.